(Lebensmittel)Verpackungen – Unheil oder Segen?

„Verpackung ist das, was überbleibt: Müll und unnütz obendrein.“ – Ist das wahr?

Lebensmittel, Pharmazeutika und viele andere Produkte werden in der Regel verpackt gehandelt. Die Notwendigkeit hierfür wird, angesichts steigender Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung, teils heftig diskutiert. So geraten Verpackungen, trotz der Sinnhaftigkeit ihrer Primär- und Sekundärfunktionen, wiederholt unter Beschuss. Die Primärfunktionen sind Aufbewahrung und Schutz – damit ermöglicht Verpackung Transport, Umschlag und Lagerung.  Sekundärfunktionen umfassen hingegen das Tragen von Information und die Einfachheit der Handhabung – notwendig, um Informationsweitergabe, Markenkommunikation und AnwenderInnenfreundlichkeit zu gewährleisten. Produkt und Verpackung sind daher in den meisten Fällen als untrennbare Einheit zu sehen.

„Verpackung hat nur Nachteile für die Umwelt“ – oder doch nicht?

Der Umweltschutzgedanke stellt die Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung in den Vordergrund. Daher steht heute oftmals die generelle Reduzierung von Verpackungen vor dem ausbalancierten, sinnvollen und zukunftsorientierten Einsatz von Verpackungen für den Produkt- und KonsumentInnenschutz. Dies kann mitunter jedoch den Entzug eben dieser Schutzeigenschaften bedeuten. Eine der möglichen Konsequenzen ist der ungewollte Anstieg von Produktverlusten und -abfall entlang der Wertschöpfungskette. Mit anderen Worten: Ressourcen, wie zum Beispiel Wasser, Energie und Landfläche, welche zur Produktion der Lebensmittel oder Produkte aufgewandt wurden, gehen ebenfalls verloren. Es bedarf also einer Optimierung anstelle der Reduzierung und eines gezielten Vorgehens nach dem Motto „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Paradoxerweise kann auch dies in einigen Fällen zu einer erhöhten Frequenz oder Menge an verwendetem Verpackungsmaterial führen. Insgesamt sinkt jedoch die Umweltbelastung. Im konkreten Fall der Lebensmittel kann dies bedeuten, dass mit der gleichen Menge an produzierten Gütern und aufgewandten Ressourcen mehr Menschen versorgt werden können.

„Alles Plastik“ – Imagekampf der Materialien

Technische Lösungen, die Produktverlusten und -abfall entlang der Wertschöpfungskette entgegenwirken können, sind in erster Linie in dem Gebrauch geeigneter Verpackungen und Materialien zu sehen. Welches Material schlussendlich für das jeweilige Produkt Verwendung findet, kommt ganz auf den Kontext, wie die Wertschöpfungskette oder den Verwendungszweck an. Es macht daher in den meisten Fällen wenig Sinn, Materialien pauschal zu vergleichen, ohne eine umfassende Lebenszyklusanalyse durchzuführen. Jede Verpackung – ob Glas, Metall, Papier und Pappe, diverse Kunststoffe, Einweg- oder Mehrwegverpackung – kann im entsprechenden Anwendungsfall optimal sein.

Bei den technischen Lösungen sind auch moderne Verpackungen, wie aktive (z. B. antimikrobielle Verpackungen oder Sauerstoffabsorber) und intelligente Verpackungen (z. B. Frischesensoren), Portionspackungen, wiederverschließbare Verpackungen, anwenderInnenfreundliche Verpackungen sowie die Hygiene bei Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln zu nennen. Auch sie können helfen, Produktverluste und -abfall zu reduzieren.

„Am Ende landet ja doch alles im Meer“ – nicht zwangsläufig.

Die Umweltverschmutzung ist nicht zu negieren. Das Problem liegt jedoch, objektiv betrachtet, nicht bei der Verpackung, sondern beim Handeln der Menschen. Würden ausreichende Möglichkeiten, Anreize und vor allem Aufklärung bestehen, anfallende Materialien zu sammeln und einer entsprechenden (Wieder-)Verwertung zuzuführen, wäre das Ausmaß der bestehenden Herausforderung wohl geringer. Denn die Materialien können durchaus als Wertstoff oder Energieträger gesehen werden. Erst kürzlich hat die EU-Kommission daher ein Paket zur Kreislaufwirtschaft in Europa geschnürt, welches das Ziel hat, die Ressourceneffizienz weiter zu verstärken und die Umwelt zu schützen.

Vermehrt treten auch abbaubare Materialien und nachwachsende Rohstoffe in den Fokus der Forschung und Entwicklung sowie der Gesellschaft. Zuletzt wurde zum Beispiel intensiv über essbare Six-Pack-Ringe berichtet, die aus einem Beiprodukt der Bierherstellung produziert werden. Sie sollen vermeiden, dass Tiere sich darin verheddern und zu Schaden kommen. Erfinder und Inverkehrbringer ist eine Brauerei aus Florida, USA. Zu beachten ist hier jedoch, dass Entwicklungen in diesen Bereichen wohl zielführend in der jeweiligen Sache sind, jedoch noch lange nicht das Fehlverhalten der Menschen auf globaler Ebene ändern.

Veranstaltungshinweis:

Österreichischer Verpackungstag

Nachhaltige Verpackungslösungen – Realität oder Utopie?

Dienstag, 15. November 2016, 14.00-18.00 Uhr

Aula der Wissenschaften, Wollzeile 27a, A-1010 Wien

Weiterführende Links:

Referenzen

FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) (2011). Global food losses and food waste. Extent, causes and prevention. Study conducted for the international congress SAVE FOOD! At Interpack 2011. Düsseldorf, Germany, Rome. Online: http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e.pdf.

Independent (2016). Brewery invents edible six-pack rings to save hundreds of thousands of marine animals’ lives. Online: http://www.independent.co.uk/environment/edible-six-pack-ring-saves-lives-marine-sea-animals-a7039631.html.

Heinrich, V., and Bergmair, J. (2016). Prevention and reduction of food losses and food waste via appropriate packaging. Position Paper, World Packaging Organisation. Online: http://www.worldpackaging.org/i4a/doclibrary/getfile.cfm?doc_id=55.

HLPE (High Level Panel Experts) (2014). Food losses and waste in the context of sustainable food systems. A report by the High Level Panel Experts on Food Security and Nutrition on the Committee on World Food Security, Rome 2014. Online: http://www.fao.org/3/a-i3901e.pdf.

Verghese, K., Lewis, H., Lockrey, S., and Williams, H. (2015). Packaging’s role in minimizing food loss and waste across the supply chain. Packaging Technology and Science. DOI:10.1002/pts.2127.

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