Entwicklung der eigenen Berufsvision

Was wäre mein Traumjob? Was sind meine Potentiale? Wo will ich später arbeiten? Und wie komme ich da hin?

Lebensfragen, die sich viele Studierende stellen. Es lohnt sich, darauf die richtige Antwort zu finden. Nicht nur die Lebensfreude, auch die Gesundheit hängt davon ab, ob Menschen glücklich sind im Beruf. Aktuelle Studien sehen als Ursache für die steigende Zahl der Burnout-Betroffenen, dass viele Menschen keinen Sinn und keinen Spaß in ihrem Job erleben.

Die systemische Beraterin Franziska Fink, letztes Jahr im Rahmen des Career Corner zum Thema Kreativität bei uns an der FH Campus Wien zu Gast, unterstützt Menschen bei der Entwicklung und Umsetzung der eigenen Berufsvision. Wir haben sie dazu interviewt.



Career Corner: Wie finden Sie heraus, was der berufliche Herzensweg Ihrer KundInnen ist?

Franziska Fink: Das mache nicht ich, das finden meine KlientInnen und SeminarteilnehmerInnen selbst heraus. Ich schaffe den passenden Raum dafür und stelle die richtigen Fragen, um es den Menschen zu ermöglichen, mit ihrer eigenen Wahrheit in Kontakt zu kommen.

Career Corner: Welche Fragen sind das?

Franziska Fink: Zum Beispiel „Welche Tätigkeiten mache ich voller Freude, wo bleibt die Zeit stehen, was könnte ich immer tun?“ Dafür interviewen sich die TeilnehmerInnen gegenseitig. Anschließend gehen sie diese Freudenlisten durch und teilen ein, nach dem Motto – wenn alles möglich wäre – wo hätte ich diese Aktivitäten gern, im Beruflichen oder im Privatleben?

Career Corner: Aber es ist nicht alles möglich!

Franziska Fink: In meiner Welt schon (lacht). Seit Jahren forsche ich daran, wie Menschen ihre Wirklichkeit konstruieren. Warum haben manche Glück und andere Pech? Ist das Zufall oder haben wir darauf Einfluss? Mein Ergebnis: Die Wirklichkeit die wir erleben, ist genau die Welt, die wir erwartet haben. „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit“ – nach diesem Prinzip entsteht das, was wir dann als Wirklichkeit wahrnehmen. Wenn ich befürchte, was mir alles passieren könnte, richte ich meine Aufmerksamkeit und damit auch meine Energie auf das, was ich nicht will und sorge damit unfreiwillig dafür, dass genau das passiert. Umgekehrt lässt sich dieses Prinzip nutzen, um gezielt die Wirklichkeit zu konstruieren, die ich erleben will. Wenn ich also Neues, Anderes, Schönes, Aufregendes erwarte und auch meine berufliche Veränderung für möglich halte, dann komme ich der Sache schon sehr schnell näher.

Career Corner: Ich mach’ die Welt wie sie mir gefällt?

Franziska Fink: (lacht) Stimmt, das stammt von Pipi Langstrumpf. Tatsächlich geht es mir in der Arbeit darum, den Menschen zu helfen, ihr eigenes Denken zu beobachten und sich ihrer Denkmuster bewusst zu werden, die sie in ihrer beruflichen Entwicklung beschränken, weil sie sich nicht erlauben, in neuen Möglichkeiten zu denken.

„Das Leben ist kein Wunschkonzert!“ damit haben die Erwachsenen uns im Teenageralter das Wünschen und Träumen abgewöhnt. Genau das lernen wir wieder, so wie damals vor Weihnachten als wir mit leuchtenden Augen Wunschlisten geschrieben haben. Da hat auch niemand überlegt, wie Papi das Pony ins Wohnzimmer schaffen soll. Wir haben einfach „Pony“ draufgeschrieben und uns der Vorfreude hingegeben.

Career Corner: Wie sieht so ein Berufsvisions-Seminar aus?

Franziska Fink: Wir starten mit der Situationsbestimmung: wo stehe ich gerade? Wie geht’s mir da? Was will ich verändern und was will ich bewahren? Dann sammeln wir in der Visionsarbeit die Puzzleteile und Qualitäten, die die Einzelnen sich im Leben und Arbeiten wünschen. Daraus entsteht nach und nach ein stimmiges Zielbild. In dieser Phase sind wir noch im „Alles-ist-möglich-Modus“. Egal, wie schwierig die Umsetzung wäre, ich lade meine KlientInnen ein, über alle Grenzen hinauszudenken und in der Fülle zu schwelgen – worauf hätte ich wirklich Lust?

Career Corner: Und wer bringt dann das Pony, also wie kommen die Leute zu ihrem Traumjob?

Franziska Fink: Die Methode nennt sich strukturelle Spannung. Sobald ich meinen Fokus auf ein Zielbild richte, das Anziehungskraft hat, wirkt dieser Aufmerksamkeitsanker wie ein Magnet auf mich und befördert mich von nun an in diese Richtung. Ich warne meine KlientInnen immer „Achtung, Zielbilder sind gefährlich, sie wirken! Also sei dir sicher, dass du es aushalten kannst, glücklich zu werden.“ (lacht). Die strukturelle Spannung nutzen wir, um die Meilensteine bis zum Ziel zu entwickeln und ganz konkrete Schritte zu formulieren.

Career Corner: Wie lange dauert es bis die Menschen ihre Berufsvision und die Schritte kennen?

Franziska Fink: Meine Seminare dauern drei Tage, in der Einzelarbeit brauche ich dafür zwei Sitzungen.

Career Corner: Und machen die Leute das dann? Setzen Sie ihre Berufsvisionen um?

Franziska Fink: Ja. Drei Viertel meiner KlientInnen wechseln nach dem Seminar den Job oder machen sich selbstständig. Studierende bekommen plötzlich drive und Lust am Studium, weil sie wissen, wo sie damit hinwollen. Ich bekomme oft noch Jahre später freudige Emails, in denen mir ehemalige TeilnehmerInnen von ihrem Erfolg und ihren neuen Jobs berichten. Viele Gruppen bleiben nach den Seminaren in Kontakt, tauschen sich aus oder coachen sich gegenseitig wenn es schwierig wird

Career Corner: Was waren so Traumjobs, zu denen Sie verholfen haben?

Franziska Fink: Ein Unternehmensberater ist Buchhändler geworden, eine Büroangestellte hat gekündigt und auf einer Almhütte angefangen, ein Manager hat begonnen zu fotografieren und mittlerweile eine eigene Galerie, ein Wirtschaftsstudent ist Arzt geworden, eine ehemalige Pharmazeutin näht jetzt eigene Mode-Kollektionen.

Career-Corner: Sie arbeiten auch an ungewöhnlichen Orten. Ihre Seminare finden in den Bergen, auf dem Segelboot oder im Schnee statt. Hat das einen besonderen Grund?

Franziska Fink: Ja. Für die Visionsarbeit ist es wichtig, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Im Alltag beschränken wir uns oft durch die vermeintlichen Umstände: „Ich würde je gern, aber – Die nehmen mich nie! Das ist viel zu teuer! Darauf bewerben sich bestimmt ganz viele! Ich kann das ja gar nicht!“ Das lähmt und macht unsicher. Die Naturerfahrung und die körperlichen Aktivitäten wie Segeln, Klettern oder Yoga bringen die TeilnehmerInnen in einen glücklich, entspannten, neugierigen Modus. Dort sind Kreativität und Selbstvertrauen zu Hause.

Career Corner: Haben Sie Ihren Traumjob?

Franziska Fink: Ja! Ich mache genau das, was mir Freude macht. Und habe das Glück, dass ich damit auch anderen Menschen diesen Luxus im Leben ermöglichen kann.
Franziska Fink, 34, ist systemische Beraterin bei der Beratergruppe Neuwaldegg und lebt in Wien. Infos zur Ihrer Arbeit und den Seminaren unter www.franziskafink.com

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